25 Jan 2013

Gedanken zum Shitstorm gegen getDigitals Nerd Dreams Kalender

5 Kommentare Frauen und Geektum, Geeksisters privat geschrieben von Geeksister_Valerie

Eigentlich wollte ich zu dem ganzen Komplex Nerd Dreams Kalender und getDigital garnichts schreiben, das Thema ist irgendwie ermüdend und traurig, aber als Bloggerin und Mitarbeiterin von getDigital komme ich wohl nicht drumrum und ein bisschen ist mein Blogger-Geist auch doch dadurch geweckt. Wer das Thema also mitverfolgt hat oder daran Interesse hat, mag nun auch mein persönliches Statement dazu zur Kenntnis nehmen. Die Vorgeschichte lässt sich auf dem spontan gestarteten getDigital-Blog ganz gut nachlesen und Melanie von femgeeks hat auch etwas aus ihrer Sicht dazu. Als der Nerd Dreams Kalender bei unserem Arbeitgeber getDigital ins Sortiment genommen wurde, hatten wir bereits einen kritischen Beitrag dazu hier verfasst – gestern ist nun die Diskussion auf Twitter wieder aufgeflammt und man kann das, was passiert ist, nur als Shitstorm (aus feministischer Richtung) bezeichnen. Dass so etwas einer Firma passiert, die u.a. diesen Blog unterstützt, der ja neben spaßigen Artikeln auch feministische Ansprüche hat, ist schon sehr traurig. Wenn es nach mir gegangen wäre, hätten wir den Kalender nicht aufgenommen – und diese Meinung vertrete ich wiederum, weil mich die Beschäftigung mit feministischen Themen, die diesen Blog zum Anlass hat, eben schon ziemlich geprägt hat. Ich denke also, dass eine Kritik an dem Produkt durchaus ihre Berechtigung hat, aber die Art wie sie angebracht wurde (besonders in Bezug auf den Produkttext), kann ich nicht immer unterstützen. Die Argumente und Gedankengänge, die z.B. auf feminitischen Blogs vertreten werden, finde ich eigentlich stets logisch und nachvollziehbar und ich vertrete sie auch immer öfter selbst, unter anderem auch in Diskussionen unter getDigital-Mitarbeitern. Klar mögen die Ideen dem Otto-Normalmenschen radikal erscheinen – aber das sollen und müssen sie auch sein, ich würde das eher als konsequent bezeichnen. Auf der anderen Seite bin ich noch längst nicht komplett fit auf dem Gebiet und trete durchaus mal in ein Fettnäpfchen, was z.B. bei online slots der Wortwahl in diesem Bereich schnell mal passieren kann. Leider musste ich kürzlich erleben, dass sowas nicht gut aufgenommen wird. Der Eindruck entstand z.B. dass an ergebnisoffenen Diskussionen kein Interesse besteht, sondern dass es nur darum geht, sich gegenseitig in der, in dieser Gruppe als Konsens geltenenden, Meinung zu bestätigen. Neulinge werden dann darauf verwiesen, sich bitte erstmal einzulesen, bevor sie mitreden. Das mag seine Gründe haben und ich kann verstehen, dass es ermüdend ist, ständig gegen die „Normal-Gesellschaft“ anzudiskutieren, die einfach nicht verstehen will, worum es geht. Aber Menschen, die schon dabei sind, sich für das Thema zu sensibilisieren, sollte man nicht abweisen. Der Eindruck, der bei Feminismus-albern-Findern oft als „Beißreflex“ bezeichnet wird, bestätigte sich leider im Shirstorm gegen getDigital. Auf femgeeks fragt sich Susanne schon vor ein paar Tagen, ob das Phänomen „Empörung statt Diskussion“ an der Beschaffenheit der neuen Medien liegt. Bei Twitter kann ich mir das gut vorstellen. Um eine sachliche Diskussion zu starten, haben meine Kollegen dann ja auch gleich den Blog online gestellt (wo mehr Platz als nur 140 Zeichen ist) und es gab dort auch schon ein gutes Statement. Ich hoffe, da kommt nun noch mehr – läge mir echt am Herzen! Das waren meine Gedanken zum inhaltlichen und nun möchte ich noch eine Lanze für meine Kollegin Gesine brechen, die unser Social Media Management macht und somit für Blog und Twitter zuständig ist. Sie hat der Shitstorm wirklich getroffen, was auch ihre zunächst abwehrende Reaktion erklärt. Das liegt daran, dass sie ihren Job wirklich mit Herzblut macht. Dazu ist sie eine couragierte Person mit politischen Ansichten, die den auf Twitter vertretenen wahrscheinlich garnicht so fern sind. Auch wenn man eine Firma anschreibt, antwortet immer ein Mensch und der steht in diesem Fall wirklich hinter der Sache und ist dann natürlicherweise persönlich betroffen. Das soll aber natürlich kein Aufruf sein, keine Kritik mehr an getDigital zu richten – im Gegenteil: getDigital nimmt sowas wirklich ernst und genau deswegen täten es auch etwas „leisere“ Beschwerden.

Geschrieben von
Trekkie > Germanistin > Geek von Beruf
  • Mina

    Und wieder einmal kann man sich über jeden Pups unnötig aufregen.

    Wer den Kalender nicht mag, soll ihn nicht kaufen, basta. Den Produkttext finde ich sehr spaßig und würde nun ganz anders über den Kalender denken und ja größtenteils sind es nun mal Männer, die Technik UND hübsche Frauen mögen. Ich persönlich finde Mädels auch schöner als Männer und würde mir demnach 10 Mal eher diesen Kalender hinhängen als den gleichen mit Männern.

    Dann nehmt ihn halt wieder aus dem Sortiment, wenn sich deswegen so viele das Höschen nass machen, er wird anderswo auch verkauft.

  • MaDMaik

    Servus – ich habe die Erfahrung gemacht, daß Menschen die sich auf fanatische Weise mit einer Sache auseinandersetzen oftmals keinen Humor zu haben scheinen. Das trifft auch auf fanatische FeministInnen zu.
    Das dürfte wohl auch die Ursache für den Shitstorm sein.

    Frage: Wie viele von den kritischen Feministinnen gehören eigentlich zur Zielgruppe von GD?

    Ich mag den Kalender, finde ihn witzig, spielt er doch auch dem Vorurteil, daß Computernerds (in der allgemeinen Vorstellung männlichen Geschlechts) sowieso nichts mit dem anderen Geschlecht anfangen können. Ich mag auch den Begleittext auf GD dazu.

    Im Ernst: Da es nunmal so ist, daß die Natur einen Unterschied zwischen Männlein und Weiblein vorgesehen hat wird es auch immer so sein, daß es Produkte geben wird, die eher nur ein Geschlecht ansprechen. Solange dabei auf Erniedrigungen, Zurücksetzungen und Rollenprägungen verzichtet wird finde ich das auch nicht schlimm.

  • Helga

    Als eine, die einen „empörten Tweet“ schrieb, stellen sich mir hier ein paar Fragezeichen. Mein Tweet, auf den am Ende immerhin geantwortet wurde, war der folgende:

    Für @getDigital_de bin ich „nur Deko“. Nerds können halt nur männlich sein. http://www.getdigital.de/products/Nerd_Dreams_Kalender_2013 … #fail #Sexismus

    https://twitter.com/hanhaiwen/status/294413139271888896

    Ist das schon „zu laut“? Wie soll ich das noch „leiser“ oder „netter“ formulieren? Egal wieviel Augenzwinkern in dem Text war/sein sollte. Wenn der Kalender „Nerd Dreams“ heißt und dann nur Männer angesprochen werden, dann wird eben Nerd = Mann gesetzt.

    Warum sich da jetzt Leute drüber aufregen? Das passiert nicht das erste Mal, es ist kein Einzelfall. Techcrunch hat am Tag vorher gleich von 2 unsäglichen Dingen (Playbook-App und dem Pornowerbeclip einer Investmentfirma, die augenscheinlich nur weiße Männer fördern will) berichtet. Das reiht sich ein in Vorfälle, nach denen Frauen nur Fake Geek Girls sind, Anita Sarkeesian bedroht wurde und Spieleerfinder zugeben, nur fickbaren Eyecandy, aber keine coolen weiblichen Charaktere programmieren zu können und wollen. Hier eine lange Liste an Vorfällen: http://gbitk.net/ii/

    Wieder und wieder finden Sich bei diesen Vorfällen Leute, die sehr genau und ruhig erklären, warum das alles problematisch ist. Wenn getDigital ein in irgendeiner Weise feministisch interessierter Raum ist, dann verstehe ich nicht, warum das dort niemand mitbekommen hat. Dann weiß ich auch wirklich nicht, warum man sowas trotzdem verkauft, auch wenn man schon ahnt, dass es problematisch sein kann. Und vor allem weiß ich nicht, warum man dann noch einfordert, dass Betroffene das bitte netter sagen und noch mal erklären.

    Ja, es ist blöd, auf einmal im Zentrum der Kritik zu stehen. Es ist aber auch blöd, jede Woche gezeigt zu bekommen, dass Du halt kein richtiger Nerd bist. Haha.

    PS: Ich habe auch einige Mails mit netten Beschwerden hier auf dem Rechner und in meiner Zeit bei der Mädchenmannschaft die Erfahrungsberichte zu sehr vielen Beschwerden mitbekommen. Wisst ihr, was das nette Beschweren mit ausführlicher Erklärung in 100% der Fälle gebracht hat? Nichts. (In immerhin 50% der Fälle gibt’s noch eine blabla-Mail „schade dass Du das so siehst, aber ist uns eigentlich egal, die anderen finden das ja lustig“ zurück.)

    • Helga

      PS: Heute auf eine weitere Mail mit netter Beschwerde ein „danke, aber weil andere Scheiße sind, sind wir das auch“ zurückbekommen.

  • Pingback: Das Nerd Dreams Quartett: Computer sind sexy – auch ohne Frauen.()