18 Jul 2012

Marissa Mayer schwanger und bei Yahoo – verwerflich oder super?

6 Kommentare Frauen und Geektum geschrieben von Geeksister_Romina

Grade verbreitet sich die Nachricht wie ein Lauffeuer, dass es bei Yahoo eine wichtige Neubesetzung auf der Vorstandschef Position gibt. Die Informatikerin Marissa Mayer, die bis vor kurzem noch Vizepräsidentin bei Google Inc. war, wird diese Position besetzen und soll das Unternehmen aus der Schieflage retten.
Die Nachricht mutet jetzt wenig spektakulär an: kompetente Frau mit großer Karrierelaufbahn bekommt wichtigen Posten, um Firma zu retten.
Nein, der wichtige Teil ist folgender:
Frau Mayer ist schwanger und wird voraussichtlich im Oktober ihr Kind bekommen.
Ihre Schwangerschaft war ihrem zukünftigen Arbeitgeber schon vorab bekannt und stellte aber für Yahoo kein Problem dar. Frau Mayers bekam den Job nichtsdestotrotz.
Fortschrittliche Geste möchte man meinen. Yahoo präsentiert sich als Frauen- und Kinderfreundlicher Konzern der Gegenwart.
Auch Mayer kommt dem Konzern entgegen und verkündete, dass sie auch während ihres Mutterschaftsurlaubes arbeiten werde.

Ende gut, alles gut.

Das Internet sieht das natürlich ganz anders und in den Kommentaren zu dieser Nachricht lässt sich vielerlei herauslesen die Pro- und Contra-Seiten nach dem Cut:

Es folgt eine Zusammenfassung der Stimmen aus den Kommentaren und Forenbeiträgen von Golem und Basic Thinking.

Contra-Gruppe:
Hier ist so ziemlich alles vertreten. Aber im Großen und Ganzen kann man sagen, dass viele Menschen es als egoistisch empfinden, wenn man in den Mutterschaftsurlaub geht und den Kollegen, die zurückbleiben, damit mehr Arbeit aufhalst. Außerdem würde man dadurch Leuten, “die wirklich arbeiten wollen” den Platz wegnehmen.
Die Lösung heißt wie folgt: im Falle einer Schwangerschaft kündigen und wenn man aus dem Gröbsten heraus ist, wieder bewerben.
Oder eben wie früher, Mann verdient das Geld und die Frau bleibt hinterm Herd. Das habe ja schon seit vielen, vielen Jahren sehr gut geklappt.
Nicht zu vergessen, heißt es auch hier und dort, Schwangere Frauen seien nicht mehr zu rationalen und wichtigen Entscheidungen befähigt.
Interessanter Weise hat kaum jemand die Frage danach gestellt, ob eine Doppelbelastung mit Kind und Karriere überhaupt machbar sei und ob nicht die Beziehung zwischen Mutter und Kind vielleicht sogar darunter zu leiden haben könnte.

Pro-Gruppe:
Kinder werden hier als erstrebenswert angesehen. Nicht nur aus persönlichen Gründen, sondern auch als Grundlage für ein gut funktionierendes Sozialsystem.
Firmen, die mit einem Personalausfall aufgrund einer Schwangerschaft in Schwierigkeiten kommen, haben grundsätzlich zu unflexibel und zu engstirnig geplant.
Aus eben jenem Grund sei es kein Wunder, wenn das Kinderkriegen bei „intelligenten“ Menschen out geworden sei und sich nur noch „die Dummen“ fortpflanzen.
Berufstätigkeit und Kinder seien heutzutage zwei Dinge, die sich nicht mehr ausschließen sollten. Dementsprechend sprach niemand Frau Mayer die Fähigkeit ab Job und Kind unter einen Hut zu bekommen. Man geht davon aus, dass bei ihrem Einkommen genug Geld für eine entsprechende Nanny zur Verfügung stehe.

Neutral:
Immerhin hat es auch mal jemand so formuliert, dass man keine pauschalen Ratschläge erteilen könne, weil jede Möglichkeit ihre Vor-und Nachteile habe.

Hier und dort wird sogar gemunkelt, dass Yahoo sowieso bald von Google aufgekauft werden würde und Frau Mayers sich dementsprechend wieder ganz wie zu Hause fühlen könne.

Ich muss sagen, ich persönlich sehe da irgendwie kein Problem. Yahoo weiß Bescheid, Frau Mayer ist sich ihrer Kompetenzen sicherlich auch voll und ganz bewusst also why not?

Wie seht ihr das, ist es egoistisch schwanger einen neuen Job anzutreten oder ist es fortschrittlich das sich heute diese Kombination nicht mehr ausschließen muss?

(Basic Thinking & Golem)

Geschrieben von
Girly-Geek-Girl
  • http://blog.knut.me/ Knut Ahlers

    Meine Meinung duerfte wohl zu den neutralen zaehlen: Wenn beide, also sowohl der Arbeitgeber als auch der Arbeitnehmer, darueber nachgedacht und eine fuer beide zufrieden stellende Loesung gefunden haben spricht doch nichts dagegen… Es ist eine Geschaeftsbeziehung zwischen dieser Firma und dem (neuen) Mitarbeiter. Ich verstehe nicht warum einige Leute sich darueber so aufregen, die im Endeffekt gar nichts zu melden haben.

    Ich bin mir sicher, dass ein solches Unternehmen und ein Intelligenter Mensch zusammen eine fuer beide akzeptable Loesung fuer das Problem finden.

  • http://www.haukeluebbers.de/ Dubbel

    Hat da jemand die Golem Kommentare gelesen? :D
    Ich finde es wird langsam Zeit, dass Firmen Betriebskindergärten anlegen. Größere alleine, kleinere könnten sich ja zusammenschließen, und in ihrem Gewerbegebiet einen gemeinsamen finanzieren. Das wäre in Einstellungsverhandlungen mit den so oft gesuchten Young-Potentials sicher ein großes Plus. :)

    • Geeksister_Romina

       Finde ich eine gute Idee!

  • Mina

    Die Kontrakommis sind ja mal wieder der Knaller, ich bin neutral positiv, natürlich sollte man jeden Fall individuell Betrachten, aber im Großen und Ganzen ist diese Entwicklung ein großer Schritt. Und ich muss diesem “nur die Dummen pflanzen sich fort” recht geben, man siehts ja täglich. Alle meine Mädels mit mehr als nur einer Farbe Knete im Kopf entscheiden sich GEGEN eigenen Nachwuchs aufgrund der momentanen Lage mit dem Beruf.

  • me.ann anna

    Hallo Romina,
    ich habe Euren Blog erst kürzlich entdeckt. Erstmal ein allgemeines Kompliment :)
    Oft ist es mir zu nervig bei solchen Diskussionen alle Kommentare zu lesen, so auch diesmal. Alles sehr prototypisch, oft erschreckend und wenig ergiebig. Danke aber für Deine gute Zusammenfassung.
    Insgesamt sehe ich die Anstellung von Mayer bei Yahoo eher positiv. Mit dem Wissen um die Schwangerschaft, obwohl da sicherlich ein Teil Publicity mit drinsteckt: vorbildlich.
    Wo ich Bedenken habe ist Ihre eigene Aussage, dass sie im Mutterschutz arbeiten möchte. Ich denke, dass kann niemand abschätzen, wie anstrengend so eine Geburt ist und wie einen dieses Ereignis überwältigt.
    Ich war selber 8 Wochen nach der Geburt meiner Tochter wieder Vollzeit arbeiten und muss sagen, dass es schon sehr anstrengend war und ist.
    Trotzdem: ich freue mich und hofffe, dass alles funktioniert und nicht in wenigen Wochen die reaktionären Meinungen neues Futter finden.
    Lieben Gruß
    Melanie

    • Geeksister_Romina

      Vielen Dank für deinen Kommentar Melanie!
      Ich habe ebenfalls das Gefühl, dass ihre Anstellung als Schwangere auch eine Art “Werbung” für Yahoo sein soll.
      Trotzdem wäre es schön, wenn entgegen aller Kritik und Vorbehalte, Frau Mayer ihren Job sehr gut macht und gleichzeitig für ihre Familie da ist.
      Das wäre dann nämlich auch Werbung fürs “Muttersein+Arbeiten”.