26 Okt 2012

Kann auch ein Junge zu Halloween als Prinzessin gehen?

12 Kommentare Gefunden - gepostet geschrieben von Geeksister_Romina

Du kanst nicht als Prinzessine gehen!
Halloween ist hierzulande zwar noch keine so große Sache, aber in Amerika lässt sich wahrscheinlich fast kein Kind den Spaß nehmen, verkleidet um die Häuser zu ziehen und Süßkram abzugreifen. Das Ganze ist wohl am ehesten mit Fasching zu vergleichen, denn wehe dem Kind, das zur Faschingsfeier in der Schule das falsche Kostüm angezogen hat!

Um das Thema Kostümwahl dreht sich auch der folgende, kleine Clip. Aus der Reihe „What Would You Do“ wird hier eine Szene arrangiert, in der eine Mutter (Schauspielerin) ein Streitgespräch mit ihrem Sohn (Schauspieler) führt, der sich zu Halloween lieber als Prinzessin verkleiden möchte. Dabei wird mit versteckter Kamera die Reaktionen der umstehenden Shopbesucher eingefangen. Später in dem Clip wird der Fall noch einmal umgedreht und es wird überprüft, ob sich das Verhalten verändert, wenn die Tochter als Superheld gehen möchte.

Mehr dazu nach dem Cut:

Die allgemeine Reaktion der anderen Ladenbesucher, die ausschließlich aus Müttern bestehen, ist, bis auf eine Ausnahme, dieselbe. Alle geben der Mutter Recht in ihrem Standpunkt, dass ein Junge nicht in Frauenkostümen rumlaufen sollte und umgekehrt. Ihre Hauptargument ist die Sorge, dass das Kind von anderen Kindern schikaniert werden könnte und dies zur Ausgrenzung des Kindes führen könnte. Unausgesprochen schwingt die Angst mit das Kind könnte homosexuell werden und deshalb sollte man solche Art von Neigungen sofort unterbinden.

Immerhin zeigt sich am Ende noch eine gute Seele, die das Mädchen, das als Spider-Man gehen möchte, darin ermutigt. Wenn ein Mädchen sich als Superheld verkleidet, dann sei das ein Zeichen dafür, dass sie sich wünscht ein starkes Mädchen zu sein, dass auch gerne für andere Menschen da sein möchte. Der Jungen im Prinzessinkleid bekommt leider keinen weiteren Zuspruch.

Sicherlich kann so ein TV-Clip nur den Bruchteil aller Meinungen abbilden und zeigt möglicherweise gewollt nur eine bestimmte Haltung zu diesem Thema.

Ich frage mich allerdings, ob diese Szene hierzulande so ähnlich ablaufen würde oder ob wir vielleicht schon einen Schritt weiter sind? Mir wäre das ziemlich Banane was mein Kind anziehen möchte. Wobei ich, ähnlich wie bei den Rosa-Ü-Eiern, eher ein Problem für die Jungs sehe. Wie es im Clip bereits erwähnt wurde, scheinen Mädchen in Jungenkostümen eher Akzeptanz zu finden als umgekehrt.

Schaut man sich dann noch die Auswahl an Halloween-Kostümen für Männer und Frauen so an, dann möchte ich sowieso jedem Mädchen und jeder Frau dazu gratulieren, die sich NICHT für die weibliche Version eines Kostüms entschieden hat.

Wie denkt ihr darüber? Soll jedes Kind anziehen was es möchte oder ist die Angst vor Schikane von anderen Kindern berechtigt?

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Geschrieben von
Girly-Geek-Girl
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  • Geeksister_Sumi

    Ich war als Kind Kind ein Turtle und Batman und ich finde es toll! Meine Kinder dürften das Kostüm tragen, dass ihnen am meisten Spaß macht.

    Übrigens ist Halloween in Deutschland mittlerweile schon ein großes Ding. Nicht so wie in Amerika, aber ich kenne kein Kind mehr, was an Halloween nicht rumrennt und Schoki verlangt ^^

  • Ben

    Mal sicher eine total konservative Antwort: Zieht euch eine Bluse/ein Hemd an und geht in die Kirche. Der 31. Oktober ist in Deutschland nicht wegen Halloween bekannt geworden, sondern wegen des Reformationstages.
    Zum Ausgleich: Immerhin gibt es bei uns Reformationsbier! ;-)

    @643c02d858568c84b6f3e357cc35e581:disqus Also Mädchen als Turtle oder Batman (-woman?) zu gehen geht aus meiner Sicht viel mehr in Ordnung als umgekehrt. Ich hätte auch Angst, das meine Kinder deswegen schikaniert werden. Kinder erkennen diese Gefahr einfach noch nicht, deshalb hat man da als Elternteil ja eine gewisse Mitverantwortung diese zu schützen.

  • Soffo

    Ich würde es weder meiner Tochter verbieten als Flash zu gehen, noch meinem Sohn sich als Alice zu verkleiden. Ich glaube, dass das Barrikaden in unseren Köpfen sind, die wir durchbrechen müssen. @Ben: Dass Kinder in solchen Fällen schikaniert werden liegt nicht in erster Linie daran, dass sie etwas falsch machen, sondern an der (meiner Meinung nach) eingeschränkten Denkweise anderer. Klar sollte man vorher mit den Kindern drüber reden. Sie müssen sich bewusst sein, welcher Situation sie sich aussetzen. Aber ich würde mein Kind deswegen nicht entmutigen wollen.

  • Das war ich mit 13 Jahren als Frau verkleidet und ich bin sogar auf den Schulfaschingsball gegangen. Ja, ich bin sogar von einem besoffenen, 15-jaehrigen angemacht worden….. aber bin ich gehaenselt worden? Nein! Bin ich homosexuell? Nein, auch wenn ich eine Bisexualitaet nicht fuer alle Zeiten ausschliessen will! Bin ich sozial gestoert, oder gewalttaetig? Nein! Ich wuerde es mir wuenschen, dass mehr Eltern den Mut haetten, ihren Kindern queere bzw. zumindest liberale „Genderwerte“ beibraechten und wenn der Junge eine Prinzessin sein will, dann soll er es verdammt nochmal sein! Ich ginge zusammen mit meinem Sohn auf jede Feier im Prinzessinen-Partnerlook, sofern es sein Wunsch waer!

    (Und wenn ich Aufforderungen lese, man solle doch in die Kirche gehen, bekomme ich heftigsten Ausschlag. WER hat denn Mitschuld an diesem dualen Geschlechterbild, der Homophobie und dem Hass auf alles Nicht-Heterosexuelles?)

    • Geeksister_Valerie

      Ich finde auch, dass Deine Verkleidung als Frau sehr überzeugend aussieht (=Kompliment). Auch sonst viel Zustimmung von mir :)

  • Geeksister_Valerie

    Ich denke man (und vor allem die Eltern) sollten dabei nicht vergessen, worum es eigentlich geht nämlich um eine VERKLEIDUNG. Die Kinder leben das Bedürfnis aus, in eine dezidiert andere Rolle zu schlüpfen und diese für einige Stunden zu verkörpern. Wenn ein Junge sich zutraut eine überzeugende Prinzessin abzugeben, zeugt das vor allem erstmal von viel Phantasie (aber die ist ja auch nicht überall willkommen…).

    Wenn wir Erwachsenen so einen Rollentausch mit Perspektivenübernahme eines anderen öfter praktizierten, würden wir vielleicht in einer toleranteren Gesellschaft leben.

    (Dazu übrigens vor kurzem eine tolle DS9-Folge auf Tele5, in der Quark am Anfang ein Dabo-Mädchen mit seiner Macht als Chef zum Sex (Umox) zwingen will. Als er sich dann im Laufe der Ereignisse als Frau verkleiden muss, nimmt ein ihm übergeordneter männlicher Ferengi sexuelle „Hingabe“ von ihm ebenfalls als seblstverständlich, sodass Quark die Position der Frau verstehen lernt.)

  • Ich glaube auch hier zu lande wäre es für das Mädchen einfacher als Superheld zugehen, als für einen Jungen ein Prinzessinnenkostüm zu besorgen. Besonders grandios finde ich ja, dass viele nicht an Transsexualität denken wenn man eine Person in der typischen Kleidung des aneren Geschlechts sieht, sondern an Homosexualität. Ich kriege auch jedesmal die Krise wenn Homo-Pärchen eine klassische Rollenverteilung nachgesagt wird a la ‚Er ist ja der weibliche Part in der Beziehung‘.

    Mir als Tante wäre es egal wenn mein Neffe sich gerne als Prinzessin verkleiden wollen würde. Die Schikane durch andere Kinder rührt im übrigen nicht von den Kindern selbst her, sondern von dem was wir Erwachsene ihnen suggerieren.

  • Ich denke, in Deutschland hätte es der Junge mit dem Prinzessinnenkostüm genauso schwer.
    Und das jedes Elternteil dafür ist, seinem eigenen Kind Spott und Hohn zu ersparen, kann ich auch niemandem wirklich verübeln. Dass der Hohn der Kinder nur durch ihre Erziehung durchkommt ist lar – ändert aber leider nichts an der aktuellen Situation.

    Ganz ehrlich? Wenn ich heute einen 8-jährigen Sohn hätte und der unbedingt als Prinzessin verkleidet sein wollte, würde ich wohl auch versuchen, ihm Alternativen vorzuschlagen. Um ihm das ohne weitere Diskussion zu erlauben müsste ich schon davon ausgehen, dass mein Sohn ein wahnsinnig ausgesprägtes Selbstbewusstsein hätte, was einem durchschnittlichen 8-jährigen Kind aber wohl eher nicht gegeben ist.

    Ich finde das auch wahnsinnig schade, aber ich würde niemandem einen Vorwurf daraus machen, dass er Probleme der Gesellschaft nicht von seinem Kind ausfechten lassen will.

    • Geeksister_Valerie

      Da hast Du wohl leider nicht ganz unrecht. Natürlich möchte man nicht, dass das eigene Kind gehänselt wird, gerade wenn einem sowas selbst passiert ist. Andererseits sollte man auch nicht den Schluß ziehen, seinen Kindern zu raten sich komplett angepasst zu verhalten. Die möglichen Konsequenzen eines solchen Kostüms sollte man aber wohl schon aufzeigen…schwierig immer, gerade wenn Kinder im Spiel sind

  • Rosa Chalybeia

    Also hätte ich Kinder, dann hätte ich ebenfalls keine Probleme damit ein Mädel mit einem Jungskostüm oder nen Jungen als Prinzessin losziehen zu lassen.

    Klar, daß man mit den Kindern vielleicht erstmal drüber redet ist eine andere Sache, aber keinesfalls mit dem Ziel sie auf Biegen und Brechen von abzuhalten sondern um ihnen halbwegs begreiflich zu machen daß es Probleme geben könnte und auch um zu verstehen was das Kind dazu bewegt.

    Ich denke aber ebenfalls daß nicht die Kinder an sich diejenigen sind die von sich aus einen Jungen im Kleid hänseln würden, sondern die gesellschaftlichen Normen die von den Eltern kommen und natürlich auch von Kindern erstmal automatisch selbst übernommen werden.

    Wenn ein Junge mal als Prinzessin gehen mag – warum nicht. Das kann ein einmaliges Phänomen sein bei dem das Kind vielleicht ganz unvoreingenommen einfach mal sich ausprobieren möchte, ich hatte auch mal eine wissenschaftliche Studie gelesen, in der belegt wurde daß sowas auch auf längerem Zeitraum eine Phase sein kann, ohne daß das Kind dann im späteren Leben homosexuell ist oder trans. Natürlich *kann* es ein früher Hinweis darauf sein – aber selbst wenn das dann zutrifft – auch dann verstehe ich nicht wo das Problem sein soll. Schwule, Lesben und Transmenschen werden ja nicht durch äussere Einflüsse „schwul gemacht“, sondern kommen meist einfach so auf die Welt (echte psychische Störungen mal ausgenommen) – wenn Mammi dem Sohn das Prinzessinnenkleid verbietet aus Angst er könne schwul *werden* oder trans – dann ändert das das an der Tatsache nicht die Bohne, und auch ich finde daß hinter dem Argument „damit das Kind nicht gehänselt wird“ übertragen oft die Angst vor dem möglicherweise sich homosexuell entwickelnden Kind ausdrückt.

    Sehr cool finde ich da den Vater der zuliebe seines Sohnes, der eben gerne alltags Kleider und Röcke trägt, auch zum Rock greift.

    http://www.freshdads.com/magazin/nils-pickert-ein-vater-der-f%C3%BCr-seinen-sohn-r%C3%B6cke-tr%C3%A4gt

    Aber man sieht an vielen Reaktionen im Netz auch sehr deutlich wie die Leute darüber denken – lächerlich genug daß solche Kommentare so gut wie garnicht bei Mädchen und Frauen in Hosen kommen.

    Gut, das ist im Gegenzug zum Faschings- (oder auch Halloween-kostüm) noch ein Schritt weiter, allein schon von daher würde ich eine Verkleidung erstmal als noch „harmloser“ ansehen.

  • PascalDragon

    Der Blogeintrag ist zwar schon eine Weile her, aber ich möchte doch noch einen Kommentar hinterlassen, nachdem ich mich heute fast durch das gesamte Blog gelesen habe (schönes Blog übrigens, dass ihr da habt ^^).

    Bei einem Kind kann es natürlich recht problematisch sein, wenn es von der „Norm“ abweicht, da es dann von den anderen Kindern möglicherweise gehänselt wird. Ich denke mir da jedoch, wenn mein (hypothetisches) Kind gerne in typischer Kleidung des anderen Geschlechts zeigen möchte, bitte sehr. Ich könnte ihm oder ihr ja schließlich nur schlecht was verbieten, was der Papa vormacht :P (allerdings sollte man vorher darüber reden, dass es eventuell zu Problemen kommen könnte)

    Wo ich aus erster Hand weniger Probleme sehe, ist wenn ein Erwachsener sowas macht. Zumindest in der heutigen Zeit. Ich habe letztes Jahr im April den großen Schritt gewagt und mich – nach ein paar vorausgegangen zaghaften Versuchen – relativ konsequent in München in „femininer“ Kleidung gezeigt. In der Zeit (von etwa April bis November) hat mich nur eine einzige fremde Person darauf angesprochen und dabei noch gemeint, dass mir der Rock, den ich zu dem Zeitpunkt anhatte, steht…

    Ich denke – vor allem nach einem Seminar an der Uni über Geschlechterrollen im Alltag – dass wir immer mehr in eine Zeit kommen, in der ein Mensch wirklich er/sie selbst sein kann, wenn er/sie es möchte (und sein „selbst sein“ keine Gesetze bricht…).

    Gruß,
    Sven

    PS: Falls sich jemand fragt: ich sehe mich als Mann, der einfach das trägt, was er möchte und wo er sich wohl fühlt.

    • Geeksister_Romina

      Vielen Dank für deinen Kommentar : ). Es ist schön, wenn auch zu alten Themen, sich noch jemand traut etwas zu sagen und dein Kommentar ist dazu noch sehr interessant.

      Finde ich übrigens persönlich sehr gut, dass du frei entscheidest, was du anziehen möchtest, selbst wenn es heißt mit alten Konventionen zu brechen.