14 Jun 2012

Cyber-Schikane gegen Tropes vs. Women – Traurig aber wahr

9 Kommentare Frauen und Geektum geschrieben von Geeksister_Romina

Vor kurzem wurde Anita Sarkeesian von Feminist Frequency Opfer von übelster Schikane im Internet, nachdem sie ankündigte eine Videoreihe über die Rolle der Frau in Videospielen zu drehen. In diesem Artikel versuche ich zu erklären, was genau dort vorgefallen ist und gebe noch ein paar weitere Beispiele von Hassattacken auf bekannte Frauen im Internet wie Felicia Day. Außerdem zeige ich, wie jede Frau auf ihre Art damit umgegangen ist.

Aber fangen wir am Anfang an:

Frau Sarkeesian hat auf ihrer Seite schon viele Videos und Artikel veröffentlicht, in denen sie über pop-kulturelle Phänomene in Bezug auf die Rolle und Darstellung der Frau spricht (z. B. LEGO & Gender). Darunter gab es auch eine Videoreihe namens „Tropes vs. Women“, die aus sechs Episoden bestand und sich mit wiederkehrenden Geschichten, Themen und Bildern von Frauen in Hollywoodfilmen und TV Shows beschäftigte.
Jüngst hatte Frau Sarkeesian ein neues Projekt auf der Seite (eine Seite, die kreative Menschen dabei unterstützt für ihre Projekte die nötige Finanzierung zu sammeln) veröffentlicht und bat dort um Spenden, um ihr Projekt in die Wege leiten zu können.
Das Thema des Projektes war die Erweiterung ihres „Tropes vs Women“ diesmal mit dem Schwerpunkt Video Games. In ihrem Video dazu sprach sie davon schlechte als auch gute Beispiele beleuchten zu wollen und in ihre Betrachtung mehrere hunderte Videospiele mit einbeziehen zu wollen.
Nun kann man von ihrem Projekt halten was man möchte, aber die Reaktionen auf ihr Ankündigungs-Video, die daraufhin entbrannten, sind fern von Gut und Böse!
Jetzt wird es unschön:
Zuallererst begann es mit einer Reihe von bösartigen Kommentaren zu ihrem Video auf YouTube. Sicherlich, YouTube ist nicht unbedingt dafür bekannt der Pool von geistiger Erleuchtung zu sein, aber diese Art von Kommentaren wünscht man keinem. Darunter fielen neben einer Reihe an sexistischen und rassistischen Bemerkungen auch die Androhung von Mord und Vergewaltigung. Einen Auszug daraus hat Frau Sarkeesian auf ihrer Seit veröffentlicht (siehe hier, nichts für zarte Gemüter!).

Aber das war erst der Gipfel des Eisberges. Der Eintrag über sie auf Wikipedia wurde mehr oder minder mit Vulgärsprache, Beleidigungen, Pornobildern und Pornoverlinkungen unkenntlich gemacht (siehe hier).
Außerdem versuchten eine Reihe von Unbekannten sie bei YouTube als Terroristin darzustellen, damit ihr Video gesperrt werden würde.

Ihre Geschichte ist kein Einzelfall. Auch Felicia Day hatte jüngst mit einem Ansturm von Hatern auf ihren YouTube Channel Geek & Sundry zu kämpfen, nachdem sie ein Musikvideo veröffentlichte mit dem Namen „“.
In den Kommentaren ging es Nieveautechnisch ähnlich drunter und drüber und man warf ihr vor allem vor, dass sie Schuld sei, dass die Games-Industrie den Bach runterginge. Frau Day, die bislang von solcherlei Hassattacken verschont geblieben war, konnte sich auf ihrem Blog dieses plötzliche Auftreten nur dadurch erklären, dass sie zum ersten mal das Wort „Gamer Girl“ in Bezug auf sich und ihre Rolle benutzt hatte. Natürlich sollte es eigentlich jedem, der sie sieht klar sein, dass sie ein „Girl“ ist und „Games“ spielt, aber das Wort schwarz auf weiß scheint nochmal eine ganz besondere Wirkung auf manche Menschen zu haben.
Die Lifestyle Bloggerin Xiaxue, die mit ihren kontroversen Blogeinträgen schon immer mehr Hater anzog, als manch andere, versuchte es mit einem ganz neuen Mittel, um gegen Hater vorzugehen. Auf Facebook hatten ein paar Männer sie und ihre Freundinnen mehrfach als Prostituierte bezeichnet und daraufhin rächte Xiaxue sich an den Männern, indem sie den Artikel „The Faces of Haters“ schrieb. Dort stellte sie alle frei zugänglichen Informationen und Fotos der betreffenden Männer online. Bei einer Leserzahl von mehreren 10.000 Leuten nicht grade eine Kleinigkeit.
Keiner der Männer entschuldigte sich bei ihr, alle waren von ihrer Tat entrüstet und verärgert.

Ich gebe Xiaxue in ihrem Tun nicht Recht und denke, dass es nicht der richtige Weg sein kann, selber ein Hater zu werden, aber ich kann ihre Beweggründe durchaus nachvollziehen.

Was Frauen im Internet täglich noch so an „Freundlichkeit“ entgegen gebracht wird, ist unter anderem auf diesen Seiten einzusehen Fat, Ugly or Slutty und Not in the Kitchen Anymore.

Natürlich werden auch Männer jeden Tag Opfer von Attacken im Internet, das sollte man nicht außer Acht lassen. Das Internet mit der Möglichkeit der anonymen Meinungsäußerung macht es vielen Menschen leicht andere zu beleidigen und ungestraft davonzukommen.
Es ist allerdings das Maß der Beleidigungen, dass mich an diesen konkreten Fällen so erschreckt. Eine Frau kündigt an irgendwann mal über Frauen in Videospielen zu reden und wird dafür auf so einem dreckigen Niveau angegangen, dass ich dafür kaum Worte finden kann.
Wenn man ihr Projekt nicht gut findet, dann könnte man es doch ignorieren, nichts dafür spenden  oder einen Kommentar abgeben warum man es nicht unterstützt, oder man macht Verbesserungsvorschläge. Egal welche Meinung man zu diesen Themen hat, ich hoffe wir sind uns alle in dem Punkt einig, dass niemand innerhalb und außerhalb des Internet so eine Behandlung verdient hat!

Die Frage ist warum passiert so etwas ausgerechnet bei diesem Thema? Frau Sarkeesian hat auch vorher schon viel über Frauen-Bilder gesprochen und auch Frau Day ist nicht erst seit gestern in der Szene aktiv.
Ist das Thema Frauen in Videospielen und Frauen UND Videospiele wirklich so haarig? Müssen wir uns wirklich so immens darum streiten wer jetzt schlimmer in Videospielen dargestellt wird, der Mann als Alphamännchen oder die Frau als Sexsymbol? Oder sind Videospiele ein für Frauen unantastbares Männer-Refugium, das keinerlei Kritik duldet?

(via The Mary Sue & )

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Geschrieben von
Girly-Geek-Girl
  • Soffo

    Ich frage mich, wo dieser Hass eigentlich herkommt. Ich kenne in meinem Umfeld niemanden (und vor allem auch keinen Gamer), der etwas gegen zockende Frauen hat – oder solche, die ihre Meinung äußern. Mir ist niemand bekannt, der ernsthaft diese „Go, make me a Sandwich“-Meinung vertritt und behauptet, Frauen gehörten nicht vor den Computer (die Kamera, die Playstation… ). Ganz im Gegenteil, meine männlichen Bekannten (bin ich da zu selektiv?) wünschen sich mehr Frauen, die eben keine Hausmuttis sind und ihren Zweck in Reproduktion, Kinderaufzucht und Rezeptetausch sehen.
    Über Sexismus in Videospielen, Filmen etc. kann man ja denken wie man will. Aber meine Meinung ist nun einmal meine und ich muss sie mit niemandem teilen und es schon gar nicht allen Recht machen. Woher dann solche Hasstiraden auf unterstem Niveau kommen, ist mir unbegreiflich. So viel Energie könnte ich für solch einen Schwachsinn wohl auch nicht aufwenden…
    Schon echt traurig.

    • Geeksister_Romina

      Vielen Dank für deinen langen und ausführlichen Kommentar! Ich persönlich kenne (zum Glück) auch niemanden, der Frauen als Gamer ablehnt. Bislang wurde ich immer positiv empfangen, aber vielleicht kommt es auch drauf an was und wo man spielt.
      Woher der Hass kommt ist mir auch ein Rätsel, dabei heißt es doch Videospiele seien gut zum Abreagieren…

  • Gast

    Ich kann Soffos Kommentar nur zustimmen. Auch in meinem Umfeld, das auch, aber nicht nur aus Gamern,Geeks und Nerds besteht, wünscht man sich selbstbewusste Frauen, die sich und ihre Rolle so selbstverständlich reflektieren, wie es im 21. Jahrhundert eigentlich normal sein sollte.
    In dem Artikel wurde schon richtigerweise geschrieben, dass das Internet mit der Möglichkeit der anonymen Meinungsäußerung es vielen Menschen leicht macht andere zu beleidigen und ungestraft
    davonzukommen. Leider

  • Kephas

    Ich finde die Art und Weise, wie Emanzipation von einigen heute verstanden wird sehr schräg, beinahe abstoßend. Emanzipation an sich ist eine vernünftige Sache, wenn man nicht übers Ziel hinaus schießt. Leider ist es wie bei allem so, dass sich die Medien auf die „Extremisten“ jeden Bereichs stürzen – das verkauft sich besser. Wenn ich an solche extremen Emanzen denke, dann würde in mir (wäre ich ein weniger friedliebender Mensch) die Wut aufkochen. Speziell auch aus dem Grund, wie Männer dargestellt werden. 

    Aus diesem Gesichtspunkt kann ich die Kommentare nachvollziehen. Ich befürworte sie nicht, egal aus welchem Standpunkt – aber nachvollziehen kann ich es schon. Denn ich vermute, dass diese Männer dieses verzerrte Bild der emanzipierten Frau inzwischen auf alles und jedes anwenden, der wage Ähnlichkeiten dazu aufweist. Der Bereich Games ist dafür besonders anfällig. 
    Games sind Männerbereich! Das ist nicht so, weil es so festgelegt wurde, sondern weil es so ist. Es gab in der Vergangenheit immer Ausnahmen, aber grundsätzlich: ein Gamer ist ein Mann. Dieses Klischee mag heute viel weniger gültig als früher sein, aber ganz ungültig ist es heute auch nicht. 
    Der Versuch der Frau, sich in diesem Bereich anzusiedeln, wird eventuell von einigen so verstanden, dass sich die Frau im Zuge der „verzerrten“ Emanzipation („Wir sind mindestens gleich gut wie Männer, eher besser“) als Versuch verstanden, dem Mann dieses Gebiet streitig zu machen. 
    Nun geht es noch weiter: In einem Bereich, der im Verständnis mancher den Männern vorbehalten ist, möchte eine Frau nun eine Studie anstellen, die nur von Frauen im Männerterritorium Games handelt. 
    Das ist einfach ein Punkt, an dem sich die Emotionen entladen, man unüberlegte Dinge sagt, seiner Wut Luft macht. Hier wird definitiv eine aufgestaute Emotion an einem „Sündenbock“ entladen, eine Emotion die eigentlich für den „Emanzenextremismus“ gedacht war.Ich persönlich bin auch ein Gamer, und spiele World of Warcraft in einer Gilde mit 13 Raidern, von denen 4 Frauen sind (wobei dieses Verhältnis meiner Erfahrung eine Ausnahme ist). Ich freue mich stets über jede Frau, mit der ich spielen darf. Frauen bringen da einfach unglaublich viel Abwechslung in diese „Männerwelt“, gerne mehr davon ;)

    • Geeksister_Valerie

       Vielen Dank für Deinen differenzierten Beitrag! Ich muss Dir aber darin widersprechen, dass Gamer bis auf wenige Ausnahmen Männer sind. Das bestätigt sich nicht in meinem Bekanntenkreis und auch die Gamesindustrie hat Frauen als Zielgruppe längst für sich entdeckt. Der Fokus liegt dabei vielleicht im Durchschnitt auf einer anderen Art von Spielen, aber es sind trotzdem Gamerinnen.
      Leider schwingen in Deiner Wortwahl noch viele Stereotypen mit. „Die Frau“ an sich, die sich versucht in der Gameswelt anzusiedeln, z.B.
      Dem wollen wir mit diesem Blog aber ja auch entgegen wirken und zeigen, dass Frauen in Sachen Geekigkeit einiges zu bieten haben und man generell vorsichtig dabei sein sollte, Personengruppen über einen Kamm zu scheren.

  • Eva

    Also zu dem Kommentar unter mir, Videospiele sind keine „Männerdomäne“ mehr, darüber sind wir längst hinaus und ich glaube auch nicht, dass die Hassattacken gegen Frau Sarkeesian tatsächlich damit etwas zu tun haben. Mich als Mädchen und Gamer hat allein die Art und Weise wie sie diese „Dokumentation“ angekündigt hat aufgeregt.
    Und die Titel der Episoden wie z.B „The Fighting F#@k Toy“ wirken nicht gerade journalistisch professionell. Im Gegenteil. Sie wirken beleidigend und urteilend, genau wie ihre Videoankündigung zu diesem Thema.

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