20 Nov 2012

Aktion: Woche des generischen Femininums

14 Kommentare Frauen und Geektum geschrieben von Geeksister_Romina

Gestern ist „Die Woche des generischen Femininums“ (bis 25.11.2012) gestartet.
Das Projekt wurde von einer überparteilichen Gruppe initiiert, die damit aufzeigen möchte, dass mit der Verwendung des generischen Maskulinums Frauen nicht ausreichend in die Sprache miteinbezogen werden.

Was bedeutet das?
Auf dem eigens für die Aktionswoche eingerichteten Blog wird das Projekt wie folgt erklärt:
Im Deutschen gilt es als generisch, männliche Personenbezeichnungen wie “Leser”, “Teilnehmer” oder “Bürger” zu verwenden, um gemischtgeschlechtliche Gruppen zu bezeichnen. Das generische Maskulinum wurde schon vielfach deshalb kritisiert, weil es für einen fairen Umgang miteinander nicht ausreicht, andere Geschlechter nur als „mitgemeint“ zu deklarieren. Es gibt zahlreiche Möglichkeiten, Texte und gesprochene Sprache geschlechtsneutral und für alle inklusiv zu gestalten. Dazu gehören geschlechtsneutrale Bezeichnungen wie “Studierende” statt “Studenten” oder die Nennung beider Geschlechter wie bei “Bürgerinnen und Bürger”.“

Mehr Informationen dazu gibt es nach dem Cut:

Mitmachen?
Die Teilnahme ist an sich ganz einfach, die Frau kann in ihrem Blog, auf Twitter (#InWoche) oder bei Facebook darauf achten in ihrer Sprache das generische Femininum einzubauen. Dabei gibt es auf der Seite des Aktionsbüdnisses folgende Tipps:
Grammatikalisch richtige Wörter verwenden
Das ist eigentlich ganz einfach. Wörter, die ein eigenes Femininum haben, eignen sich super. Welche, die gequält werden, in dem ein unnatürliches -in angehängt wird, machen keinen Sinn sondern das Anliegen lächerlich. Wenn es um Sachen geht (Beispiel Salzstreuer), dann bleiben die so, wie sie sind. […] Wenn es um Menschen geht, dann empfielt sich eine andere Wortwahl. Also Mensch nicht durch Menschin ersetzen sondern durch das neutrale “die Leute” oder eine spezifischere Bezeichnung, bei der es normale weibliche Formen gibt wie etwa “Touristinnen”, […]. Besonders bescheuert ist es, an eine bereits weibliche Form ein -in ranzuhängen.

Pro und Con?
Sicherlich ist die Idee hinter der Aktion gut, um die Aufmerksamkeit auf das Thema „Verwendung des generisches Maskulinums“ zu lenken. Es kann nicht schaden einmal darüber nachzudenken, ob und inwiefern möglicherweise Frauen dadurch ausgeschlossen werden.
Andererseits denke ich, dass es auch keine Lösung ist den Spieß einfach umzudrehen und die Männer sich als die Ausgeschlossenen fühlen zu lassen. Die Mädchenmannschaft, die im übrigen nicht an der Aktion teilnimmt, begründet dieses wie folgt und spricht dabei einen wichtigen Punkt an: „Die Mädchenmannschaft hat sich vor langer Zeit für die Schreibweise mit Gender_Gap entschieden, weil es uns wichtig ist, auf die Zweigeschlechtlichkeit in der deutschen Sprache hinzuweisen und außerdem Menschen mitzumeinen, die sich jenseits der Kategorien Frau/Mann wiederfinden. Das finden wir inklusiver als nur das generische Femininum zu verwenden.„.
Um also tatsächlich zu einer neutralen Sprache zu gelangen, bedarf es mehr als die Unterteilung in maskulin und feminin. Ein wirklich neutraler Ansatz wäre die Einführung eines neuen Wortes/einer neuen Form für eine gemischtgeschlechtliche Gruppe, um das Problem wirklich bei der Wurzel zu packen und es nicht einfach hin-und herzuschieben.

Um des Selbstversuches Willen habe ich in diesem Text tatsächlich einmal das generische Femininum verwendet. Dabei stelle ich fest, dass das eine schwierige Aufgabe ist, denn ich habe beim Schreiben einerseits das Gefühl unsere männlichen Leser auszuschließen (obwohl sie natürlich mitangesprochen werden), andererseits habe ich in der Verwendung des generischen Maskulinums für mich noch nie ein Problem gesehen. Aber ich schätze mal, das ist es, worauf die Aktion hinaus möchte.

 Was haltet ihr von dieser Aktion? Könntet ihr euch vorstellen mitzumachen?

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Geschrieben von
Girly-Geek-Girl
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  • Neue Worte zu erfinden wäre vermutlich das Beste, dürfte nur auch recht schwer werden.

    Was gar nicht geht ist gerade das Gender-Gap, da man damit Texte absolut unleserlich macht. *brrr*
    Wenn ich was schreibe, versuche ich abwechselnd beide Geschlechter zu verwenden, in einem Satz also dann Benutzer, im nächsten Benutzerinnen.
    Generell denke ich aber, das es wenig Sinn macht an der Sprache herumzudoktoren, solange die Denke nicht mitzieht. Was nutzt es, wenn Stellenausschreibungen geschlechtsneutral sind, wenn die Personaler das nicht beachten?
    Für mich sieht das danach aus das an den Symptomen gearbeitet wird, nicht an den Ursachen.

    • Geeksister_Valerie

      Diese Aktion macht tatsächlich auch für mich nur als Aktion Sinn, also um mal ein Gefühl dafür zu bekommen, wie geschlechtsspezifisch die Sprache ist. Dass Denken und Sprache sehr eng miteinander verknüpft sind, zeigen zahlreiche Studien, insofern kann der Personaler vielleicht schwerer für Frauen entscheiden, wenn die Sprache ihm ständig suggeriert, dass nur Männer gemeint sind.

  • Miria

    Hi, ich habe auch einen Text zum generischen Femininum geschrieben und warum ich bei der Woche nicht mitmache: http://nur-miria.blogspot.de/2012/11/generisches-femininum.html

    Für mich persönlich habe ich die Entscheidung getroffen, dass ich das generische Maskulinum verwende, solange es keine neune dritten Wörter gibt. Denn die Variante fände ich auch am Besten.

    Liebe Grüße,

    Miria

    • Geeksister_Valerie

      Vielen Dank für den Link zu Deinem Artikel. Ich benutze auch – wie wahrscheinlich – fast jeder (jede ;)) – das generische Maskulinum im Alltag, versuche aber z.B. bei Pressetexten schon auf eine gewisse Ausgeglichenheit zu achten. Ich denke auch nicht, dass man die Sprache zwanghaft umgestalten kann, aber man kann z.B. im Satz oben fast alle statt fast jeder schreiben. Das ist dann neutraler.
      Interessant wäre ja übrigens auch, wie es in anderen Sprachen aussieht. Es gibt sicher Sprachen (außerhalb Europas) die eine extra Form für „Männer und Frauen“ haben. Wäre interessant wie es da dann um die Gleichberechtigung steht, oder?

  • Mina PowMeow

    Man kann sich auch an Dingen aufgeilen, die total für den Arsch sind. Wen interessiert denn der Scheiß, mal ehrlich?!
    Anstatt sich für so einen Schwachsinn einzusetzen, sollten man sich für den Tierschutz einsetzen.

    • Geeksister_Valerie

      Naja, man kann sich ja für beides einsetzen, wenn man möchte ;)

    • Das übliche Totschlagargument für so gut wie alle (geistes-)wissenschaftlichen Diskussionen. Geh mal in ’ne Uni, da wird sich an noch ganz anderen „Dingen aufgegeilt, die total für den Arsch sind“ …

  • Aus linguistischer Perspektive ist es ganz grundsätzlich ein Problem, das grammatische Klassifikationsmerkmal „Genus“ mit dem biologischen Geschlecht „Sexus“ einfach gleichzusetzen. Wieso heißt es dann z.B. „DAS Mädchen“? Von nicht-belebten Entitäten gar nicht erst zu reden (auf Französisch heißt es etwa „DER Sonne“ und „DIE Mond“. Die Genera sind in jeder Sprache völlig arbiträr zugeordnet und semantisch nicht erklärbar.). Und bei anderen grammatischen Kategorien, wie z.B. dem Plural, würde doch auch keiner auf die Idee kommen, zu behaupten, dass hier alle Signifikate „weiblich“ sind („DIE Männer“, „DIE Jungen“ etc.).

    Von daher ist es sprachwissenschaftlich auch nicht sinnvoll, zu versuchen, alle biologisch in der Welt auftretenden Geschlechtsformen grammatisch „gleichstellen“ oder „sichtbar machen“ zu wollen. Das grammatische Femininum ist NICHT mit der Eigenschaft „weiblich“ gleichzusetzen, das Maskulinum ist NICHT per se „männlich“.

    Ich stimme zwar zu, dass es gesellschaftlich einen wachrüttelnden Effekt haben kann, die Verwendung des Femininums zu propagieren. Doch diese Phase des feministischen Aktionismus sollten wir meiner Meinung nach schon hinter uns haben.

    Es kommt so oder so immer wieder vor, dass das „politisch unkorrekte“ generische Maskulinum verwendet wird (auch von Feminist_innen!), weil es einfach müßig ist, sich jedes Mal über die biologischen Geschlechter Gedanken zu machen, wo es im Text oder in der Rede doch eigentlich um etwas ganz anderes geht. Dann müsste ich mich ja jedes Mal aufregen, „nicht mitgemeint“ zu sein. Und das ist mir ehrlich gesagt zu anstrengend.

    Außerdem kann es auch sehr schnell ins Gegenteil umschlagen, wenn die ganze Zeit das biologische Geschlecht in den Vordergrund gerückt wird. Die damit zusammenhängenden orthographischen Verrenkungen (Koch/Köchin, Lehrer/in, Taxifahrer*in, Professor_in etc.) dominieren dann den Text – obwohl das biologische Geschlecht doch in der überwiegenden Mehrzahl der Fälle (Bsp. Stellenanzeigen) KEINE ROLLE spielen sollte!!!

    Ich würde umgekehrt lieber auf alle „femininen“ Anhängsel („-in“ etc.) verzichten. Denn auch das sind immer nur Ableitungen von der maskulinen Grundform. Von Gleichstellung kann also keine Rede sein. Es ist für mich also nur konsequent, wenn ich mich als „Student“ oder „Autor“ bezeichne. Insbesondere in Kontexten, wo mein Geschlecht keine Rolle spielt. Damit bin ich sprachlich WIRKLICH gleichgestellt.

    Es ist und bleibt also eine Kopfsache. Wer z.B. den Satz hört „Ich gehe zum Arzt“, hat erstmal das Bild von einem Mann im Kopf. Und das ist leider nicht so schnell zu ändern. Zwar beeinflusst unsere Sprache, wie wir denken und die Welt sehen – aber auch umgekehrt bestimmt unsere Weltsicht, wie wir sprachliche Aussagen interpretieren. Das sollte man sich immer bewusst machen.

    • Geeksister_Valerie

      Naja, wie Du im letzten Absatz auch deutlich machst, ist es eben schon so, dass die Sprache unsere Vorstellungswelt beeinflusst und Studien beweisen, dass sowas uns sehr prägt und der Gleichberechtigung nicht gerade zuträglich ist. Insofern hat sich diese Art von Aktionismus wohl noch nicht ganz überlebt und lohnt sich zumindest als Experiment.

  • Max

    Ich verstehe den Wirbel um die Wortwahl nicht, der seit etlichen Jahren schon betrieben wird. Dazu zählt auch die „Political Correctness“, vor allem jedoch der Versuch, militanter Frauen, die komplette deutsche Sprache umzuwerfen.
    Dabei leben wir doch schon seit Ewigkeiten im althergebrachten Deutsch und hatten nie Probleme damit. Eigentlich sollte unsere Sprache unter Denkmalschutz stehen und vor Rechtschreibreformen und „korrekten“ Wörtern.

    Dass Männer sich durch das generische Femininum ausgegrenzt fühlen, hat auch eher simple Gründe. Nicht unser Gemächt wehrt sich, sondern unser Wortschatz und das erlernte Gefühl für Sprachästhetik…

    • Max

      PS: Mir fiel gerade auf, dass sich der Satz mit den „militanten Frauen“ zu allgemein liest. Natürlich sind hier nur die „Hardcore-Feministinnen“ und jene gemeint, die auf Biegen und Brechen und ohne jedes Schamgefühl alles so ändern wollen, dass das Glück quasi Geburtsrecht jeder Frau wird.

      • Geeksister_Valerie

        Ich kann Dir leider nicht darin recht geben, dass die Sprache seit Ewigkeiten gleich geblieben ist! Ich habe selbst Sprachwissenschaft studiert und muss Dir daher sagen, dass die Sprache sich ständig ändert. Es gibt z.B. immer mehr schwache Verben (Präteritum wird auf -te gebildet). Noch vor ein paar Jahren empfand man z.b. backen – buk – gebacken von Sprachgefühl her als richtig. Inzwischen ist aber auch backen – backte – gebacken zulässig.
        Solche Veränderungen gehen natürlich schleichend vonstatten, insofern ist das nicht vergleichbar mit einem Umkremplen von heute auf morgen. Allerdings zeigt das auch, dass es sich lohnen kann, die Menschen für die Sprache zu sensibilisieren, sodass langsame Veränderungen vielleicht schneller vonstatten gehen, weil wir die Ungerechtigkeit der Sprache dann eher als solche empfinden.

  • ctn

    Eine späte Anmerkung: Das ist bereits in der Anwendung!

    Die Studienordnung für Maschinenbau des KIT ist schon seit 2008 im generischen Femininum verfasst. Angesichts des eher kleinen Anteils von Frauen unter den dortigen Maschinenbau-Studierenden brachte mich das erst mal zum Schmunzeln. Der Denkanstoß war dennoch nachhaltig. Unfair: Ausgerechnet beim Rektorat haben sie bei der Sprachregelung eine Ausnahme gemacht!

    • Geeksister_Valerie

      Interessant! Danke für den Hinweis :)